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KATZE VERSTEHEN Kompakt
Applied Animal Behaviour Science · 2026

Putzen als Strategie: Warum Allogrooming nicht immer Liebe ist

Wenn Deine Katze eine andere putzt, ist das nicht automatisch ein Liebesbeweis. Eine neue Video-Studie zeigt: Manchmal ist es eine clevere Strategie, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.

Zwei Katzen liegen eng beieinander, eine putzt die andere am Ohr
53
Katzen-Paare beobachtet
106
Katzen insgesamt
Video
Beobachtung im Mehrkatzen-Haushalt
2
ganz unterschiedliche Funktionen

Worum es in der Studie geht

Allogrooming – das gegenseitige Putzen – gilt landläufig als ultimativer Beweis für tiefe Freundschaft und enge soziale Bindung zwischen Katzen. Morgane J. R. Van Belle und ihr Team haben dieses Bild 2026 genauer überprüft: Sie filmten 53 Katzen-Paare (insgesamt 106 Katzen) in ihren Mehrkatzen-Haushalten und analysierten jede Putz-Interaktion bis ins Detail – Körperhaltung, Ohrenstellung, was vorher passierte und was danach folgte.

Das Ergebnis ist überraschend klar: Allogrooming ist nicht eine Sache. Es erfüllt zwei sehr unterschiedliche Funktionen – und welche davon gerade aktiv ist, kannst Du am Drumherum erkennen.

Die zwei Gesichter des Putzens

Die gleiche Bewegung – Zunge am Fell der anderen Katze – kann zwei völlig unterschiedliche Dinge bedeuten. Die Forschenden konnten beides klar voneinander unterscheiden.

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Bindung & Zuneigung

Die Katzen suchen aktiv Körperkontakt, gehen oft ins Spiel über und zeigen eine entspannte, symmetrische Körperhaltung. Ohren locker nach vorn, Augen ruhig. Das ist das Bild, das wir alle im Kopf haben – ein Zeichen von Wohlbefinden und Harmonie im Team.

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Konflikt-Ventil

Das Putzen ersetzt eine Eskalation: asymmetrische Körperhaltung, angelegte Ohren, sogenanntes Übersprungsverhalten (displacement). Eine direkte Konfrontation wäre riskant – also wird die Spannung „weg-geputzt", bevor sie in Aggression umschlägt.

Was Du beim nächsten Putzen beobachten kannst

Du musst keine Studie führen – ein kurzer, bewusster Blick auf vier Details reicht meist, um Bindung von Konfliktvermeidung zu unterscheiden.

  1. 1

    Ohren beobachten

    Entspannt nach vorn gerichtet? Eher Zuneigung. Leicht angelegt oder seitlich gedreht? Eher Spannung.

  2. 2

    Körperhaltung prüfen

    Symmetrisch, offen, weich liegend ist ein gutes Zeichen. Eine angespannte oder asymmetrische Haltung (eine Katze duckt sich, die andere baut sich auf) spricht für Konfliktvermeidung.

  3. 3

    Auf das Drumherum achten

    Geht es in Spiel oder gemeinsames Dösen über? Bindung. Folgen Fauchen, schnelles Wegschleichen oder ein „Übersprungs-Putzen" der eigenen Pfote? Spannung.

  4. 4

    Über die Zeit Muster erkennen

    Putzt immer dieselbe Katze die andere – an immer denselben Engstellen (Türen, Futternapf, Schlafplatz)? Das ist ein Hinweis auf unterschwellige Konflikte, nicht auf eine besonders liebevolle Katze.

Was wir daraus lernen können

Allogrooming ist komplexer als das romantische Bild es vermuten lässt. Es kann Liebe sein – und es kann ein leiser Hilferuf sein, mit dem eine Katze die Eskalation vermeidet. Wenn Du die Körpersprache rund um das Putzen mitliest, bekommst Du einen viel ehrlicheren Blick auf die Beziehung in Deinem Mehrkatzen-Haushalt.

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Originalstudie zu diesem Artikel

Van Belle, M. J. R., Moons, C. P. H., Mills, D. S., Broeckx, B. J. G., Tuyttens, F. A. M., & Gajdoš Kmecová, N. (2026). Unravelling feline social dynamics – A video-based observational study on allogrooming in domestic cats. Applied Animal Behaviour Science. DOI: 10.1016/j.applanim.2026.107038

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