Mund geschlossen – „Murmeln"
Schnurren, Trillern/Zwitschern, Grunzen. Entstehen, wenn Luft durch den geschlossenen Mund strömt. Signalisieren fast immer positive Zustände: Zufriedenheit, Begrüßung, Kontaktaufnahme.
Hauskatzen besitzen eines der komplexesten Vokal-Repertoires unter allen Fleischfressern. Eine Review-Studie hat 21 distinkte Lauttypen systematisch klassifiziert – und zeigt, wie flexibel Katzen ihre „Sprache" an uns Menschen anpassen.

Tavernier und Kolleg:innen haben in einer umfangreichen Review-Studie jahrzehntelange akustische und verhaltensbiologische Forschung zur Katze ausgewertet. Ziel war es, das gesamte Vokalisierungs-Repertoire der Hauskatze systematisch zu klassifizieren – und zu verstehen, in welchen Kontexten welcher Laut produziert wird.
Die Klassifikation erfolgte sowohl auditorisch (durch Hören) als auch visuell (anhand von Spektrogrammen) und mündete in einem Ethogramm mit 21 distinkten Lauttypen – gegliedert nach der Mundstellung während der Lautbildung.
Alle 21 Laute lassen sich nach der Mundstellung in drei Gruppen einteilen:
Schnurren, Trillern/Zwitschern, Grunzen. Entstehen, wenn Luft durch den geschlossenen Mund strömt. Signalisieren fast immer positive Zustände: Zufriedenheit, Begrüßung, Kontaktaufnahme.
Miauen in all seinen Varianten, Jaulen, Heulen, Kreischen. Das Miauen ist der flexibelste Laut – Tonhöhe, Dauer und Intensität variieren je nach Kontext enorm.
Fauchen, Spucken, Chattern, Zwitschern beim Anblick von Beute. Treten bei hoher Erregung auf – Aggression, Verteidigung oder Jagdaufregung.
Vier Befunde der Review-Studie, die das Bild der „sprechenden" Katze prägen:
Erwachsene Katzen miauen fast ausschließlich gegenüber Menschen, kaum gegenüber Artgenossen. Miauen hat sich im Laufe der Domestikation als Kommunikationsstrategie zum Menschen entwickelt.
Halter:innen verstehen die Laute ihrer eigenen Katze besser als die fremder Katzen. Katze und Mensch entwickeln über die Zeit eine Art gemeinsamen Dialekt.
Hauskatzen vokalisieren nicht nur häufiger, sondern auch lauter als die afrikanische Wildkatze (Felis lybica). Wer gehört werden will, muss laut genug sein.
Drei Hypothesen konkurrieren: Frustration über unerreichbare Beute, Aktivierung der Beißmuskeln für den Fangbiss oder Mimikry von Vogellauten. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren zusammen.
Die wichtigsten Lauttypen aus dem Ethogramm – mit typischem Kontext und Botschaft.
| Laut | Gruppe | Typische Botschaft |
|---|---|---|
| Schnurren | Mund geschlossen | Wohlbefinden, manchmal auch Selbstberuhigung |
| Trillern / Zwitschern | Mund geschlossen | Freundliche Begrüßung, Kontaktruf |
| Grunzen | Mund geschlossen | Leichte Unzufriedenheit, Kommentar |
| Miauen | Mund offen & schließend | Adressiert an den Menschen – Wunsch, Frage, Kontakt |
| Jaulen / Heulen | Mund offen & schließend | Stress, Schmerz, Brunft |
| Fauchen | Mund offen & gespannt | Warnung: „Komm nicht näher" |
| Spucken | Mund offen & gespannt | Akute Bedrohung, Eskalation |
| Chattern | Mund offen & gespannt | Jagdaufregung bei unerreichbarer Beute |
Quelle: Tavernier et al. (2020), Ethogramm der felinen Vokalisierungen (Auswahl).
Konkrete Hinweise aus den Daten und der Diskussion der Autorinnen und Autoren:
Achte auf Unterschiede in Tonhöhe, Länge und Häufigkeit. Ein hohes, kurzes „Futtermiauen" klingt anders als ein tiefes, langsames Kontaktmiauen – Deine Katze richtet sich gezielt an Dich.
Diese Laute sind klare Warnsignale: „Geh weg, ich fühle mich bedroht." Wer sie respektiert, vermeidet Eskalation und stärkt das Vertrauen.
Klacker-Geräusche am Fenster zeigen, dass Deine Katze Jagdmodus hat. Bewegungsspiele und Beutejagd-Sessions können diese Energie kanalisieren.
Katzen untereinander miauen kaum – sie nutzen Körpersprache, Duft und gelegentliches Fauchen. Stilles Zusammenleben ist also kein Zeichen von Desinteresse.
Die 21 Lauttypen beschreiben das Repertoire der Art, nicht jedes Individuum. Manche Katzen sind extrem vokal, andere fast stumm – beides ist möglich.
Die Hauskatze besitzt ein erstaunlich differenziertes Lautrepertoire – und nutzt es vor allem im Dialog mit uns. Wer die drei Lautgruppen und ihre typischen Kontexte kennt, versteht seine Katze besser, erkennt Stress früher und genießt die kleinen Begrüßungs-Trills im Alltag bewusster.
Tavernier C., Ahmed S., Houpt K. A., Yeon S. C. (2020). Feline vocal communication. Journal of Veterinary Science, 21(1), e18. DOI: 10.4142/jvs.2020.21.e18
Zur Originalstudie auf PubMed Central →Im Magazin KATZE VERSTEHEN findest Du den ausführlichen Deep-Dive zu den 21 Lauten – mit Hintergründen, Beispielen und weiterführenden Gedanken zur Mensch-Katze-Kommunikation.
Zum Deep-Dive-Artikel →