Intentionalität
Wird das Signal bewusst gesendet, um eine bestimmte Reaktion auszulösen?
Katzen kommunizieren auch mit dem Gesicht – aber nicht jede Mimik ist Absicht. Eine neue Studie zeigt: Vor allem im Wettbewerb setzen Katzen ihre Gesichtsausdrücke gezielt ein. Im entspannten Alltag sind sie eher Spiegel der Stimmung.

Dickey und Kolleg:innen (2025) haben untersucht, ob Hauskatzen ihre Gesichtsausdrücke bewusst und zielgerichtet einsetzen. Dafür haben sie neun Variablen ausgewertet, die in der Verhaltensforschung als Hinweise auf Intentionalität, Flexibilität und Zielassoziation gelten – etwa Blickrichtung, Dauer eines Ausdrucks, Reaktion auf das Gegenüber und Persistenz des Signals.
Beobachtet wurden Katzen in zwei sozialen Kontexten: affiliativ (freundlich, kooperativ) und nicht-affiliativ (kompetitiv, konfliktreich). Genau dieser Vergleich liefert die spannendsten Ergebnisse.
Damit Mimik als „kommunikativ“ gilt, müssen drei Eigenschaften zusammenkommen:
Wird das Signal bewusst gesendet, um eine bestimmte Reaktion auszulösen?
Wird derselbe Ausdruck an unterschiedliche Situationen angepasst?
Ist das Signal mit einem konkreten Ziel verknüpft – und bleibt es bestehen, bis das Ziel erreicht ist?
Der Kontext macht den Unterschied:
Geht es um Futter, einen bevorzugten Schlafplatz oder die Abwehr eines Rivalen, zeigen Katzen deutliche Anzeichen von intentionaler und flexibler Mimik. Sie senden Signale bewusst – und passen sie an, bis sie wirken.
In entspannten, freundlichen Interaktionen ist Mimik eher Ausdruck der momentanen Stimmung als eine gezielte Botschaft. Verständigung läuft hier stärker über Vertrauen und subtile Signale.
Katzen sind keine klassischen Rudeltiere. Sie können solitär oder in Gruppen leben – ihre sozialen Interaktionen hängen stark von Ressourcen und individuellen Vorlieben ab. Eine permanente, hoch‑intentionale Mimik ist in einer entspannten Umgebung schlicht nicht nötig.
Sobald aber Ressourcen knapp werden oder Konflikte drohen, lohnt sich gezielte Kommunikation – und genau dort schalten Katzen ihre Mimik in einen aktiveren Modus.
Drei Punkte, mit denen Du die Mimik Deiner Katze besser verstehst:
Angelegte Ohren am Futternapf bedeuten etwas anderes als angelegte Ohren beim Spielen. Frag Dich zuerst: Geht es gerade um eine Ressource oder einen Konflikt?
Ein einzelner Ausdruck sagt wenig. Erst Augen + Ohren + Körperhaltung + Situation ergeben ein verlässliches Bild.
Ausreichend Ressourcen und Rückzugsmöglichkeiten senken den Druck. Eine entspannte Katze muss seltener „verhandeln“ – ihre Mimik wird leiser und ehrlicher.
Diese Studie reiht sich in frühere Arbeiten ein – insbesondere in die Forschung von Scott & Florkiewicz (2023) zur Kompositionalität kätzischer Mimik – und erweitert sie um die Frage nach der Absicht hinter dem Ausdruck.
Katzen sind keine passiven Kommunikatorinnen. Ihre Mimik kann sehr wohl Absicht tragen – sie wird nur dann am sichtbarsten, wenn es etwas zu gewinnen oder zu verteidigen gibt. Im entspannten Alltag dürfen wir ihren Gesichtsausdruck eher als Stimmungsbild lesen, nicht als Botschaft.
Im Magazin KATZE VERSTEHEN findest Du den ausführlichen Deep-Dive zur Studie – mit allen Details zu den neun Variablen, dem Versuchsaufbau und der Einordnung in den Forschungsstand.
Zum Deep-Dive-Artikel →Dickey, S. et al. (2025). Evaluating indicators of intentionality, flexibility, and goal-association in domestic cat facial signals. Behavioural Processes.