Kinder im Haushalt
Lebt ein Kind im Haushalt, kratzten Katzen häufiger und intensiver – vermutlich, weil das Stresslevel steigt.
Eine Untersuchung mit 1.211 Katzen zeigt: Unerwünschtes Kratzen ist kein \"böses Verhalten\", sondern ein Zusammenspiel aus Persönlichkeit, Alltag und Umgebung. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse – verständlich auf Deutsch zusammengefasst.

Kratzen ist ein völlig natürliches Verhalten: Katzen pflegen damit ihre Krallen, markieren ihr Revier und bauen Stress ab. Zum Problem wird es erst, wenn Sofa, Teppich oder Tapete dran glauben müssen. Die Forschenden wollten herausfinden, welche Faktoren dazu führen, dass eine Katze besonders häufig oder besonders intensiv an unerwünschten Stellen kratzt.
Dafür beantworteten Katzenhalterinnen und -halter in Frankreich einen umfangreichen Fragebogen zu ihrer Katze, ihrem Zuhause und dem Kratzverhalten der letzten Woche. Aus Häufigkeit und Intensität wurde ein gemeinsamer \"Kratz-Index\" gebildet.
Diese Faktoren waren statistisch signifikant mit einem hohen Kratzlevel verbunden (p ≤ 0,05):
Lebt ein Kind im Haushalt, kratzten Katzen häufiger und intensiver – vermutlich, weil das Stresslevel steigt.
Katzen, die nachts besonders aktiv sind, zeigten deutlich mehr unerwünschtes Kratzen am Tag.
Überraschend: Sehr lange oder unpassend getaktete Spielzeiten gehen mit mehr Kratzen einher – kurze, regelmäßige Sessions sind besser.
„Disruptive" Katzen – also aggressiv, zerstörerisch, schwer zu bändigen – kratzten signifikant häufiger. 58 % der Vielkratzer gehören in diese Gruppe.
Steht der Kratzbaum im selben Raum, in dem die Katze sich aufhält und sonst kratzen würde, wirkt er besser als Alternative.
Vielkratzer haben meist nicht "eine" Lieblingsstelle, sondern verteilen das Kratzen auf viele Möbelstücke im Zuhause.
Viele klassische \"Verdächtige\" zeigten in dieser Studie keinen signifikanten Zusammenhang mit dem Kratzverhalten. Das bedeutet: Wer die Schuld bei Rasse oder Geschlecht sucht, schaut an der eigentlichen Ursache vorbei.
Wo kratzen Katzen am liebsten? Vergleich zwischen Wenig- und Vielkratzern.
| Lieblings-Kratzort | Wenig-Kratzer | Viel-Kratzer |
|---|---|---|
| An vielen verschiedenen Orten | 32,1 % | 57,9 % |
| Nur am Sofa | 32,4 % | 26,7 % |
| Nur am Teppich | 7,2 % | 4,0 % |
| Nur an Stühlen | 7,5 % | 3,0 % |
| Nur an Möbeln (andere) | 5,5 % | 1,6 % |
| Nur an Vorhängen | 1,1 % | 0,2 % |
Quelle: Salgirli Demirbas et al. (2024), Tabelle 2.
Konkrete Hinweise aus den Daten und der Diskussion der Autorinnen und Autoren:
Stell den Kratzbaum nicht in den Flur "außer Sichtweite", sondern in genau den Raum, in dem deine Katze viel Zeit verbringt – idealerweise neben das aktuelle "Problem-Möbel".
Mehrere kurze Spielsessions tagsüber sind besser als eine lange, hochgedrehte Einheit. Das ahmt das natürliche Jagdverhalten nach und reduziert Frustration.
Wenn deine Katze nachts viel aktiv ist, ist das oft ein Hinweis auf zu wenig Auslastung oder Stress am Tag – nicht auf "Bösartigkeit".
Strafen verstärken das Kratzen laut früherer Forschung. Positive Verstärkung und – falls nötig – synthetische Pheromone sind die besseren Werkzeuge.
In Haushalten mit Kindern sind Rückzugsorte und ruhige Zonen für die Katze besonders wichtig, um Stress (und damit Kratzen) zu senken.
Unerwünschtes Kratzen ist nie nur \"die Katze\" oder nur \"das Möbel\". Es entsteht aus dem Zusammenspiel von Persönlichkeit, Tagesablauf und Wohnumgebung. Wer alle drei berücksichtigt – statt nur Symptome zu bekämpfen – verbessert das Wohlbefinden der Katze und schützt nebenbei das Sofa.
Salgirli Demirbas Y., Soares Pereira J., De Jaeger X., Meppiel L., Endersby S., da Graça Pereira G. (2024). Evaluating undesired scratching in domestic cats: a multifactorial approach to understand risk factors. Frontiers in Veterinary Science, 11.
Zur Originalstudie auf frontiersin.org →Im Magazin KATZE VERSTEHEN findest Du den ausführlichen Deep-Dive zu dieser Studie – mit Tabellen, Hintergründen und Handlungsempfehlungen für Deinen Alltag.
Zum Deep-Dive-Artikel →