Studie · Frontiers in Veterinary Science · 2024

Warum kratzen Katzen an unseren Möbeln – und was wirklich hilft.

Eine Untersuchung mit 1.211 Katzen zeigt: Unerwünschtes Kratzen ist kein \"böses Verhalten\", sondern ein Zusammenspiel aus Persönlichkeit, Alltag und Umgebung. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse – verständlich auf Deutsch zusammengefasst.

Katze kratzt an einem Kratzbaum im Wohnzimmer
1.211
untersuchte Katzen
40,8 %
zeigten starkes Kratzen
58 %
der Vielkratzer gelten als „störend"
3
Hauptbereiche: Katze · Alltag · Umgebung

Worum es in der Studie geht

Kratzen ist ein völlig natürliches Verhalten: Katzen pflegen damit ihre Krallen, markieren ihr Revier und bauen Stress ab. Zum Problem wird es erst, wenn Sofa, Teppich oder Tapete dran glauben müssen. Die Forschenden wollten herausfinden, welche Faktoren dazu führen, dass eine Katze besonders häufig oder besonders intensiv an unerwünschten Stellen kratzt.

Dafür beantworteten Katzenhalterinnen und -halter in Frankreich einen umfangreichen Fragebogen zu ihrer Katze, ihrem Zuhause und dem Kratzverhalten der letzten Woche. Aus Häufigkeit und Intensität wurde ein gemeinsamer \"Kratz-Index\" gebildet.

Die wichtigsten Einflussfaktoren

Diese Faktoren waren statistisch signifikant mit einem hohen Kratzlevel verbunden (p ≤ 0,05):

👶

Kinder im Haushalt

Lebt ein Kind im Haushalt, kratzten Katzen häufiger und intensiver – vermutlich, weil das Stresslevel steigt.

🌙

Nächtliche Aktivität

Katzen, die nachts besonders aktiv sind, zeigten deutlich mehr unerwünschtes Kratzen am Tag.

🎾

Spieldauer & Verspieltheit

Überraschend: Sehr lange oder unpassend getaktete Spielzeiten gehen mit mehr Kratzen einher – kurze, regelmäßige Sessions sind besser.

😾

Aggressivität & „Störverhalten"

„Disruptive" Katzen – also aggressiv, zerstörerisch, schwer zu bändigen – kratzten signifikant häufiger. 58 % der Vielkratzer gehören in diese Gruppe.

🪵

Standort des Kratzbaums

Steht der Kratzbaum im selben Raum, in dem die Katze sich aufhält und sonst kratzen würde, wirkt er besser als Alternative.

🛋️

Viele Lieblings-Kratzstellen

Vielkratzer haben meist nicht "eine" Lieblingsstelle, sondern verteilen das Kratzen auf viele Möbelstücke im Zuhause.

Was keine große Rolle spielte

Viele klassische \"Verdächtige\" zeigten in dieser Studie keinen signifikanten Zusammenhang mit dem Kratzverhalten. Das bedeutet: Wer die Schuld bei Rasse oder Geschlecht sucht, schaut an der eigentlichen Ursache vorbei.

  • Rasse (Rassekatze vs. Mischling)
  • Geschlecht der Katze
  • Kastration
  • Körperkondition / Gewicht

Ein Blick in die Zahlen

Wo kratzen Katzen am liebsten? Vergleich zwischen Wenig- und Vielkratzern.

Lieblings-KratzortWenig-KratzerViel-Kratzer
An vielen verschiedenen Orten32,1 %57,9 %
Nur am Sofa32,4 %26,7 %
Nur am Teppich7,2 %4,0 %
Nur an Stühlen7,5 %3,0 %
Nur an Möbeln (andere)5,5 %1,6 %
Nur an Vorhängen1,1 %0,2 %

Quelle: Salgirli Demirbas et al. (2024), Tabelle 2.

Was die Studie für den Alltag bedeutet

Konkrete Hinweise aus den Daten und der Diskussion der Autorinnen und Autoren:

  1. 1

    Kratzbaum dorthin, wo es passiert

    Stell den Kratzbaum nicht in den Flur "außer Sichtweite", sondern in genau den Raum, in dem deine Katze viel Zeit verbringt – idealerweise neben das aktuelle "Problem-Möbel".

  2. 2

    Kurze, regelmäßige Spieleinheiten

    Mehrere kurze Spielsessions tagsüber sind besser als eine lange, hochgedrehte Einheit. Das ahmt das natürliche Jagdverhalten nach und reduziert Frustration.

  3. 3

    Nächtliche Unruhe ernst nehmen

    Wenn deine Katze nachts viel aktiv ist, ist das oft ein Hinweis auf zu wenig Auslastung oder Stress am Tag – nicht auf "Bösartigkeit".

  4. 4

    Stress reduzieren statt bestrafen

    Strafen verstärken das Kratzen laut früherer Forschung. Positive Verstärkung und – falls nötig – synthetische Pheromone sind die besseren Werkzeuge.

  5. 5

    Auf Kinder-Katze-Interaktion achten

    In Haushalten mit Kindern sind Rückzugsorte und ruhige Zonen für die Katze besonders wichtig, um Stress (und damit Kratzen) zu senken.

Fazit der Studie

Unerwünschtes Kratzen ist nie nur \"die Katze\" oder nur \"das Möbel\". Es entsteht aus dem Zusammenspiel von Persönlichkeit, Tagesablauf und Wohnumgebung. Wer alle drei berücksichtigt – statt nur Symptome zu bekämpfen – verbessert das Wohlbefinden der Katze und schützt nebenbei das Sofa.

Originalstudie

Salgirli Demirbas Y., Soares Pereira J., De Jaeger X., Meppiel L., Endersby S., da Graça Pereira G. (2024). Evaluating undesired scratching in domestic cats: a multifactorial approach to understand risk factors. Frontiers in Veterinary Science, 11.

Zur Originalstudie auf frontiersin.org →
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